Unfall – was tun?

Werden Sie selbst aktiv!

Wenn Sie in einen Verkehrsunfall verwickelt werden, so ist bei der Beweissicherung in vielen Fällen Eigeninitiative ratsam. Auch wenn Sie die Polizei zur Unfallstelle rufen, ist diese nicht in allen Bundesländern verpflichtet, die Unfallspuren zu sichern, sofern niemand bei dem Unfall verletzt wurde. Es kann Ihnen passieren, dass Sie die Fahrzeug bis zum Eintreffen der Polizei brav haben stehen lassen und die Beamten dann anordnen, dass Sie die Fahrzeuge unverzüglich versetzen, um den Verkehrsraum freizumachen. Damit sind dann viele Beweise endgültig verloren. Es heißt also handeln, bevor die Beamten eintreffen! Und selbst wenn die Unfallspuren durch die Polizei gesichert werden, können ergänzende Fotos nicht schaden.

In einigen Automobilzeitschriften war bereits der Vorschlag zu lesen, beim Eintreffen der Polizei eine Verletzung vorzutäuschen, um die Beamten so zur Sicherung der Unfallspuren zu zwingen. Folgen Sie diesem Vorschlag nicht. Bedenken Sie, daß anschließend gegen Ihren Unfallgegner zu Unrecht wegen Körperverletzung ermittelt werden kann.

Was Sie dafür benötigen

Für die Beweissicherung nach einem Verkehrsunfall sollten Sie folgende Gegenstände stets im Auto aufbewahren:

  • Fotoapparat
  • Markierungskreide
  • Zollstock
  • Schreibgerät und Bleistift

Als Fotoapparat genügt ein Handy oder eine Wegwerfkamera, die Sie in jedem Fotogeschäft für 5 Euro bekommen. Als Markierungskreide verwenden Sie am besten “Förster- und Signierkreide”, die Sie in jedem Baumarkt für 1,50 Euro bekommen. Vorteil gegenüber Schulkreide:

  • (einigermaßen) wetterfest, weil ölhaltig
  • legal zu kaufen…

Wie Sie vorgehen


Für einen Normalverbraucher ist ein Unfall (hoffentlich) ein einzigartiges Ereignis, sodass die Routine bei der Beweissicherung sicher fehlt.

Stellen Sie zunächst fest, ob jemand verletzt ist und leiten Sie ggf. die entsprechenden Hilfemaßnahmen ein. Glücklicherweise wird bei den weitaus meisten allerdings keine Person verletzt.

Halten Sie als nächstes die Endstellungen der Fahrzeuge mit Hilfe der Kreide fest. Bringen Sie dazu neben jedem Rad eine Markierung auf der Fahrbahn an, vgl. Zeichnung. Ergänzend sollten Sie einige Fotos von den Endstellungen der Fahrzeuge schießen. Danach können Sie die Fahrzeuge an eine andere Stelle versetzen, um den Verkehrsfluss nicht zu behindern.

Denken Sie daran: Wenn die Fahrzeuge versetzt werden, ohne dass Markierungen auf der Fahrbahn angebracht werden, ist dieser wichtige Beweis endgültig verloren!

Danach markieren Sie mit der Kreide die übrigen Spuren, z.B.

  • Bremsspuren
  • Lage von Glassplittern

Das Vermessen der Spuren können Sie auf später verschieben. (Falls Sie den Zollstock nicht dabei haben.) Taktisch kann es besser sein, wenn man die Spuren gemeinsam mit dem Unfallgegener vermisst, damit das Ergebnis später nicht bezweifelt wird. Verwenden Sie bei der Vermessungen einen festen Bezugspunkt, der später stets wiedergefunden werden kann. Geeignet sind

  • Verkehrsschilder
  • Gullydeckel
  • Kilometersteine.

Alle anderen Bezugsobjekte sind weniger geeignet. Straßenmarkierungen werden von Zeit zu Zeit erneuert, Bäume können gefällt werden (ist alles schon vorgekommen). Verwenden Sie als Bezugspunkt niemals ein bewegliches Objekt, wie beispielsweise ein parkendes Fahrzeug.

Bevor Sie mit der Vermessung beginnen, fertigen Sie zunächst eine grobe Skizze von der Unfallörtlichkeit, den Fahrzeugen und den vorhandenen Spuren. Markieren Sie in dieser Skizze die Punkte, die sich später einmessen wollen. Kontrollieren Sie später, ob zu jedem eingemessenen Punkt zwei Maße vorliegen.

Denken Sie daran, daß Sie für jeden Punkt zwei Bezugsmaße benötigen, um die Lage eindeutig festzuhalten. Typischerweise wird dies ein Maß in Fahrbahnlängsrichtung und ein weiteres Maß in Fahrbahnquerrichtung sein. Sie können sich die Vermessung erleichtern, wenn Sie im ersten Schritt zunächst nur Markierungen in Fahrbahnlängsrichtung anbringen, z.B. in 2 m Abstand. Dann ist es anschließend einfacher, zu jedem in Querrichtung aufgenommenen Maß das zugehörige Maß in Fahrbahnlängsrichtung zu ermitteln.

Optimal ist es, wenn das solchermaßen entstandene Meßprotokoll von beiden Unfallbeteiligten etwa durch ihre Unterschrift bestätigt wird. Dann kann später kein Streit darüber entstehen, ob die Maße tatsächlich richtig aufgenommen wurden.

Alle Spuren, die Ihnen wichtig erscheinen, sollten Sie zusätzlich fotografieren. Fertigen Sie von der Spur am besten zwei Fotos: Eines, auf dem die Spur deutlich zu erkennen ist und ein weiteres, auf dem die Lage der Spur in Bezug auf die Unfallörtlichkeit zu erkennen ist. Auf diesem zweiten Foto sollten (halbwegs) feste Bezugspunkte, wie die Lage von Fahrbahnmarkierungen, Gullydeckel, Straßenverkehrsschilder, usw. zu erkennen sein.

Ergänzende Maßnahmen

Notieren Sie sich die Autokennzeichen bzw. noch besser die Adressen eventuell vorhandener Zeugen.

Fertigen Sie möglichst zeitnah zum Unfallgeschehen ein Gedächtnisprotokoll Ihrer Beobachtungen an. Die Erfahrung zeigt, dass viele Beobachtungen später vergessen bzw. von anderen Erinnerungen überlagert werden.

Gelegentlich stellen Unfallbeteiligte erst einige Zeit nach dem Unfall obskure Schadensansprüche. Dann fällt dem Unfallbeteiligten beispielsweise erst Tage nach dem Unfall ein, daß sich zum Zeitpunkt des Auffahrunfalls zwei komplette Computer im Kofferraum befanden, die beide zu Bruch gingen. Fragen Sie also am besten direkt vor Ort nach, ob eventuell neben dem Fahrzeug irgendwelche transportierten Gegenstände durch den Unfall in Mitleidenschaft gezogen worden sein können.